BuiltWithNOF
Vitalität für Altbäume

Vitalität für Altbäume

 

 

Viele Obstbaumbesitzer stehen vor ihren Altbäumen und sind oft ratlos wie sie diese schneiden sollen. Eine notwendige Pflege wird vielfach erkannt. Doch was tun? – Und dann passiert etwas, das Fachleute oft die Köpfe schütteln lässt, nämlich es wird ohne fachliche Kenntnisse einfach nach Gutdünken herum geschnitten. Da werden Äste gekappt, Mitteltriebe herausgenommen, hängende Astpartien komplett im unteren Drittel der Baumkrone abgesägt usw. – Dies sind Fehler, die nicht wieder gutzumachen sind.         

 

 

Gründe für den Altbaumschnitt

 

Im Ertrag stehende Altbäume sind häufig nicht fachgerecht geschnitten. Die Auswirkungen hiervon sind Reiserbildung (Wasserschosse genannt), im oberen Drittel der Krone. Die Baumkrone wächst total zu, sodass in die Krone kein Licht und keine Sonne hereinkommen. Die direkten Folgen sind: 1.  das im Schatten befindliche Obst reift nicht richtig aus und es gibt minderwertige Ware, da die wertbestimmenden Inhaltsstoffe sich nur ungenügend oder gar nicht bilden können.  2. auch bildet sich durch den falschen Schnitt sowie durch unterlassenden Schnitt Obst von geringer Größe. Durch entsprechende Auslichtung und Fruchtausdünnung wird das Obst qualitativ besser.

Das Laubblatt stellt gewissermaßen ein Sonnenkollektor dar, in dem mit Hilfe des Sonnenlichtes Assimilate gebildet werden. Dieser Vorgang der Photosynthese ist für die Qualität des Obstes von wichtiger Bedeutung, da die in den Blättern gebildeten Assimilate auch in den Obstfrüchten eingelagert werden. Die Äpfel von nicht geschnittenen Bäumen ist wegen der mangelnden Photosynthese fade, wässrig und zudem nicht nur sauer, sondern mit Gerbstoffen versehen, die für eine Verarbeitung nicht geeignet sind.

Durch einen fachgerechten Sommerschnitt kommt wieder Licht in die Baumkrone und die Laubblätter und Früchte können besonnt werden.  

 

Außerdem vergreisen und verkahlen die unteren Astpartien, während die Partien in der oberen Baumkrone ein Triebwachstum aufweist. Die geschilderte Reiserbildung führt zum Absterben der unteren Äste. Eine Überbauung der Krone tritt ein, wodurch die Äste im Inneren der Baumkrone nicht mehr belichtet werden und absterben. Durch einen fachgerechten Baumschnitt erlangen die Altbäume mehr Vitalität.

 

 

Baumumfeld

 

Bevor am Altbaum geschnitten wird, muss das Baumumfeld untersucht werden. Für den Schnitt ist die Vitalität des Baumes wichtig. In diesem Zusammenhang ist zu klären:

  • Wie sieht das jährliche Triebwachstum aus?
  • Sind Krankheiten (z.B. Obstbaumkrebs) oder tierische Schädlinge vorhanden?
  • Wie vital ist der Baumstamm (Verletzungen, Einmorschungen, Auftreten von Baumpilzen etc.)?
  • Wie ist der Ernährungszustand des Baumes?    
  • Liegen möglicherweise Bodenverdichtungen (z.B. durch Viehbeweidung oder Maschinen) vor?
  • Aufgrund dieser und weiterer Parameter richten sich die Intensität und der Zeitpunkt des Baumschnittes.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnittzeitpunkte

 

Grundsätzlich muss angemerkt, dass der früher übliche Zeitpunkt nur im Winter zu schneiden, also in der Vegetationsruhe, überholt ist. Inzwischen gilt folgende Regel in der Praxis:  

Vitale Bäume              Schnitt von März – September

Nicht vitale Bäume      Schnitt im Februar - März

Von einem gänzlichen Verzicht auf Winterschnitt sind Süßkirsche und Walnuss betroffen. Der Schnitt erfolgt bei der Süßkirsche  im Juli (nach der Ernte) und die Walnuss im August/September.

 

 

Grundsätzliches bei der Altbaumpflege

 

Zwiesel und Konkurrenztriebe

Unter Zwiesel versteht man Triebe, deren Terminalknospe abstirbt und die direkt darunter befindlichen Seitenknospen austreiben. Auf diese Weise können je nach Obstart unterschiedliche Zwiesel entstehen. Wenn der Zwiesel beim Jungbaum nicht beseitigt wird, gibt es später am Stamm unterhalb des Zwiesels (V-Zwiesel) hässliche Risswunden, die nicht mehr zu beheben sind.

Bei Konkurrenztriebe handelt es sich um Triebe, die im oberen Bereich des Leittriebes austreiben und sich gleichstark oder auch stärker entwickeln als der Leittrieb.

Beim Erziehungsschnitt muss sowohl auf Zwiesel als auch auf Konkurrenztriebe geachtet und deren Beseitigung vorgenommen werden. Dies ist nur bei Jungbäumen möglich, während bei Altbäumen diese Korrekturen zu unterlassen sind.

 

Schnitt auf Astring

Die abzuschneidenden Äste müssen so entfernt werden, dass kein Stutzen stehenbleibt. Die Asthaken vertrocknen und das gesunde Holz stirbt ab, das dann bis in den Stamm reicht. Die Schnittstellen sollen deshalb immer im Saftfluss bleiben. Auch können holzzersetzende Pilze eindringen, die zur Vermorschung führen.

Jedoch darf der Schnitt nicht stammglatt ausgeführt werden, weil ansonsten der Astring bzw. Astkragen beschädigt bzw. abgesägt wird. Mit Kragen bezeichnet man die geschwollene Ansatzstelle des Astes. Im Kragen befindet sich eine vom Baum natürliche Sperrzone gegen Mikroorganismen. Wird diese Schutzzone beim unsachgemäßen Sägen entfernt, können Mikroorganismen eindringen und es kann zur Fäulnis kommen, die dann bis in das gesunde Stammholz hineingeht. Beim Schnitt muss daher stets oberhalb des Astkragens bzw. des Astringes geschnitten werden.

 

Wundpflege

Wundverschlußmittel: Verletzungen oder Schnittwunden stellen allgemein Eintrittspforten für

schädigende Organismen dar, die in den Holzkörper eindringen können. Um dieses zu verhindern, wurde in früheren Jahren empfohlen, die Wunden mit einem Wundverschlussmittel zu verstreichen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass nicht verstrichene Schnittwunden für Pilze schlechtere Entwicklungsmöglichkeiten bieten, da sie schneller abtrocknen. Man nimmt an, dass unter dem wasserdurchlässigen Wundschutzmittelfilm je nach dem Grad des Luftabschlusses Verhältnisse geschaffen werden, die das Wachstum von holzzerstörenden Pilzen fördern. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse ist von der Anwendung von Wundverschlussmitteln abzuraten.

Förderung von Kallusgewebe: Problematisch ist der Wundrand, dessen Kambium leicht austrocknen kann. Das Kambium befindet sich zwischen Holz und Rinde, welches vom Wundrand her die Schnittfläche überwallt und so einen natürlichen Schutz bildet. Um der

 

 

 

 

 

Austrocknung zu entgegnen, wird das Abrunden der Wundränder bei größeren

Schnittflächen mit einer Hippe empfohlen. Das Abrunden der Wundränder ist zwar arbeitsaufwendig; dennoch sollte dieses Verfahren aus den genannten Gründen wieder öfter angewandt werden.

 

Auslichtung statt Kappung

Beim Altbaumschnitt  und besonders einem Sanierungsschnitt ist oft eine Reduzierung des Kronenvolumens von einem Drittel oder mehr erforderlich. Dies ist abhängig vom Zustand des Baumes, der Stellung seiner Äste und dem Verhältnis von Neutrieb und Fruchtansatz. Bäume, die fast nur noch Fruchtholz aufweisen, müssen stärker zurückgeschnitten werden, um junges Triebwachstum anzuregen. Dennoch gibt es keine Gründe, den Baum radikal zu stutzen. Solange der Baum gesund ist und solange keine wirkliche Notwendigkeit besteht, sollte die Krone im natürlichen Umfang erhalten bleiben. Kappungen sind deshalb abzulehnen, da sie für den Baum einen gravierenden Eingriff bedeuten. Ein naturgemäßer Kronenaufbau ist nicht mehr möglich. In die großen Schnittstellen dringen holzzersetzende Pilze ein, die das Holz zerstören. Vor allem bei größeren Birnbäumen werden diese wegen der Höhe oft gekappt, was aber wie ausgeführt falsch ist.

 

 

Schnittwerkzeuge und Leitern

 

Hippe für die Wundbehandlung

Handscheren: Baum-, Reb- und Gartenscheren ermöglichen einen sauberen und präzisen Schnitt, bei bestimmten Modellen sorgt der Rollgriff für einen noch komfortableren Schnitt.

Astscheren: für Jungbaumschnitt VORSICHT BEI SCHNITT AUF ASTRING (Schnittwinkel!)

Handsägen: Stangensäge geschweiftes Blatt. Spezialzahnung mit Präzisonsschliff, Schnitt auf Zug, Schnittlänge etwa 40 cm, Klappsäge wie vor Schnittlänge 20 cm

Motorsägen: Grundsätzlich nur einsetzen wenn die persönliche Schutzausrüstung (PSA)getragen wird, Schutzhelm mit Gesichts- und Gehörschutz, Schnittschutzhose, Schnittschutzschuhe bei Arbeiten in der Hubarbeitsbühne auch Schnittschutzjacke

Hochentaster: Motorbetriebenes Gerät mit Sägekettenschneidgarnitur an einer Teleskopstange zum Zerlegen der Äste die herausgeschnitten werden, vom Boden oder von einer Hubarbeitsbühne aus.

Leitern: Alle Obstbaumleitern haben an den Füßen mindestens 7 cm lange Metallpitzen, die sie auf gewachsenem Boden gegen Abrutschen sichern.

 

 

Unfallverhütung

 

Nicht alle auf dem Markt angebotenen Geräte, Werkzeuge und Maschinen sind sicher und für den fachgerechten Baumschnitt brauchbar. Gute Facharbeit benötigt gute Werkzeuge und Maschinen. Gehen Sie kein Risiko ein. Achten Sie beim Kauf auf das CE-Zeichen, die beigefügte Konformitätserklärung und natürlich das GS-Zeichen. Werkzeuge, Geräte und Maschinen mit diesem Zeichen entsprechen den sicherheitstechnischen Anforderungen und damit dem Gerätesicherheitsgesetz

 

 

 

 

 

 

Ein Sonderfall – der Sanierungsschnitt

 

Streuobstflächen, die längere Zeit keiner Nutzung unterlagen, sind oft verbuscht und die Obsthochstämme  nicht gepflegt. Viele Streuobstbesitzer sind mit derartigen Obstbäumen überfordert, wenn es um den Schnitt bzw. den Sanierungsschnitt geht. Durch den Sanierungsschnitt werden die Vitalität und die Lebensdauer der Obstbäume erhöht.

 

Definition Sanierungsschnitt

Es handelt sich um einen einmaligen Schnitt an Altbäumen, die mindestens 10/12 Jahre lang und länger keinen Obstbaumschnitt erfahren haben und keinen Kronenaufbau aufweisen. Ziel des Sanierungsschnitts ist einen Kronenaufbau wiederherzustellen und dabei möglichst die inzwischen gewachsene Baumform nicht zu verändern. D.h. schiefe Bäume, einseitig gewachsene Kronen oder Bäume mit zwei Triebspitzen müssen diesen Status behalten.

 

Qualifikation für den Sanierungsschnitt

Der Sanierungsschnitt erfordert ein Höchstmaß an fachlich fundierten Kenntnissen und geht weit über den Kenntnisstand eines normalen Obstbaumschnittes hinaus. Dazu gehören z.B. die richtige Schnittführung, Statik des Baumes und Baumumfeld. Ernährungszustand und Krankheiten sind ebenso wichtig. Der Sanierungsschnitt ist ein Sonderfall und ist etwas für Spezialisten.

 

Naturschutz

Aus naturschutzfachlicher Sicht sind beim Sanierungsschnitt die Baumhöhlen zu erhalten. Die Baumhöhlen sind für einige Vogelarten und bestimmten Kleinsäugern Nist- bzw. Brutstätten. Entferntes Totholz beim Sanierungsschnitt sollte auf der Fläche gelagert werden. Bei den im Totholz vorkommenden Insekten handelt es sich zumeist um „Schwächeparasiten“, die gesunde Bäume nicht befallen.

 

Nachbehandlung geschnittener Altbäume

Im Regelfall treten bei Bäumen, die im Winter geschnitten wurden, mehr oder weniger Austriebe, fälschlicherweise Wasserschosse genannt, auf. Die Entfernung, zumindest der unerwünschten Neuaustriebe, ist im darauf folgenden Sommer durchzuführen. Diese Nachbehandlung im Sommer ist über mehrere Jahre zu begleiten! Diese Maßnahme gehört zum Sanierungsschnitt.

 

Fort- und Weiterbildung zum Obstbaumschnitt bei Streuobst

 

Im Rahmen von Seminaren zur Altbaumpflege, Sanierungsschnitt etc. können sich Obstbaumbesitzer über die notwendige Pflegemaßnahmen von Obsthochstämmen informieren. Vorsicht ist bei Methoden die aus Kleingärtnerwissen oder aus dem Erwerbsobstanbau stammen geboten, da diese für den Streuobstanbau nicht  geeignet sind. 

 

[Home] [Informationen über uns] [Baumpflege] [Baumfällen] [Grünpflege] [NSG Hardt] [Seminare] [Streuobstwiesen] [Aktuell] [Streuobst- Aktionstage 2010 Veranstaltungskalender] [Mistelbefall] [Vitalität für Altbäume] [Seilklettertechnik] [Seminartermine] [Kontakt/ Impressum] [Links] [IG Streuobst]